Ökogas vs. konventionelles Erdgas - wo ist der Unterschied?

Interview mit Greenpeace Energy zum Thema Erdgas

Ökogas vs. konventionelles Erdgas - wo ist der Unterschied?

Als ich letztes Jahr umzog stellte sich mir die Frage zum Thema „Öko-Gas“, denn mein neues Heim wird mit Gas geheizt. Und ich stellte recht schnell fest, dass Erdgas insbesondere Öko-Gas ein recht kompliziertes Thema ist. Denn 100% Ökogas können selbst die echten Ökostromer nicht alle anbieten. Um Licht ins Dunkel zu bringen, bat ich auch Greenpeace Energy um ein Interview, die sofort „ja“ sagten. Denn die Fragen, die ich habe, haben auch andere. Und nichts ist sinnvoller, als Transparenz in ein Wirrwarr von Informationen zu bringen.

An dieser Stelle möchte ich mich ganz herzlich bei Greenpeace Energy bedanken, die sich bereit erklärten mir ausführlich meine Fragen zu beantworten.

1.) Wie beim Strom auch, gibt es immer mehr sogenannte „Öko-Angebote“. Doch wie viel ÖKO ist denn wirklich in Ökogas enthalten? Und ab wann darf ein Anbieter sein Öko-Gas auch Öko-Gas nennen? Beim Strom stellte sich ja recht schnell heraus, dass Stromanbieter sich Zertifikate einfach dazu kaufen. Denn in den großen Strompool speisen alle ein. Kauft man Strom ein und verkauft ihn wieder und handelt dabei an der Strombörse, ist ein Anteil des eingekauften Stroms per se Strom aus den Erneuerbaren. Mit dem dazu gekauften Label kann man so seinen Strommix recht einfach Ökostrom nennen, weil es hierzu keine genau definierte Gesetzeslage gibt. Ist das bei Gas genauso? Werden auch hier Labels dazu gekauft, um Greenwashing zu betreiben?

Beim Thema Gas ist eher die Frage spannend, um was für ein Ökogas es sich denn handelt. Neben sogenannten klimaneutralen Erdgastarifen, bei denen der CO2-Ausstoß lediglich kompensiert wird und Kunden hierfür einen Aufpreis zahlen, handelt es sich in den meisten Fällen um Biogas-Tarife, in denen der Biogas-Anteil zwischen 5 und 100 % liegen kann und der Rest Erdgas ist. Hier macht es dann Sinn, auf die Herkunft des Biogases zu schauen. Wir von Greenpeace Energy haben uns gegen einen Biogas-Tarif entschieden, denn aus unserer Sicht gibt es zu viele ökologisch unakzeptable Biogas-Quellen wie Dung aus der Massentierhaltung oder Energiepflanzen, die in Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion angebaut werden. So gesehen „gute Biogas-Quellen“ wären dann wieder Abfälle und Reststoffe aus der Lebensmittelverarbeitung, Landschaftspflegematerial, pflanzenbauliche Reststoffe und Zwischenfrüchte oder Klärschlamm und Deponiegas – gleichwohl ist das Potenzial hier natürlich begrenzt. Wir glauben, dass bei heutigen Marktstrukturen nur ein kleines Volumen an Biogas aus diesen Quellen zur Verfügung steht – und haben uns deshalb gegen einen Biogas-Tarif und für Windgas entschieden.

2.) Greenpeace Energy war der erste echte Ökostromanbieter und mit der Zeit habt Ihr Gas mit dazu genommen. Woher bezieht Ihr Euer echtes Öko-Gas? Und wie hoch ist der Anteil des echten Ökogas?

Mit unserem Gastarif proWindgas haben wir 2011 wirklich Neuland betreten, denn gestartet sind wir als Fördertarif für die Windgas-Technologie. Windgas ist im Prinzip Ökostrom, der in Gas umgewandelt wird. Dazu nutzen wir das Elektrolyseverfahren, bei dem Ökostrom Wasser in seine Bestandteile Sauerstoff und Wasserstoff aufspaltet. Der Wasserstoff wird dann ins reguläre Gasnetz eingespeist und vermischt sich dort mit dem bereits vorhandenen Erdgas.

Wir fanden die Idee schon länger toll, denn mit Windgas lässt sich einmal überschüssiger Ökostrom perfekt nutzen, und außerdem erschließt die Methode uns das Gasnetz als riesigen Speicher für Ökostrom, der dort in Gasform über Wochen oder Monate gespeichert werden kann.

Als wir starteten, gab es jedoch keine Elektrolyseure, so dass wir auf die Idee mit dem Fördertarif kamen. Unsere Kundinnen und Kunden haben zunächst 100% Erdgas erhalten und auf jede Kilowattstunde einen Aufschlag bezahlt. Diesen Förderbetrag haben wir genutzt, um den Bau unsere ersten eigenen Elektrolyseurs voranzutreiben, der mittlerweile im bayerischen Haßfurt steht.

Insgesamt beziehen wir mittlerweile Wasserstoff aus drei Quellen – unserem Elektrolyseur sowie von den Stadtwerken Mainz und der Firma Enertrag aus Brandenburg. Damit kommen wir auf einen Wasserstoffanteil von durchschnittlich 1 %. Das mag nicht viel klingen, ist es aber, wenn man betrachtet, dass Wasserstoff aktuell noch mehr als zehnmal so teuer ist wie Erdgas und die Zahl der Elektrolyseure immer noch begrenzt, auch wenn immer mehr Akteure aus der Energiewirtschaft auf das Thema setzen. Der Rest unseres Gases ist dann Erdgas, das wir von der Gelsenwasser AG beziehen. Mit diesem Lieferanten wollen wir sicherstellen, dass unser Gas in Europa gefördert wird und nicht aus Fracking stammt.

Noch wichtiger als der tatsächliche Prozentsatz – den wir dennoch natürlich weiter steigern wollen – ist für uns die Tatsache, dass es Windgas überhaupt ins Erdgasnetz geschafft hat. Denn das Potenzial der Technik ist groß, die Widerstände waren es aber auch.

3.) Was ist mir dem anderen Anteil, der aus der konventionellen Gasförderung kommt? Denn, wie viele wissen, wird zur konventionellen Erdgasförderung Fracking eingesetzt. Sprich giftigste Chemikalien in den Boden gepumpt um das Erdgas aus den Erdschichten zu lösen. Mit verheerenden Folgen für Mensch, Tier und Umwelt und der ständigen Gefahr, einer großräumigen Trinkwasser- und Bodenverseuchung auf unbestimmte Zeit. Wie stellt Ihr sicher, dass der andere, konventionell bezogene Erdgas-Anteil nicht durch Fracking gewonnen wird?

Wir haben mit der Gelsenwasser AG einen Vorlieferanten gefunden, der sich mit uns im Ziel einig ist, den Bezug von Gas aus Fracking, aus der Tiefsee sowie aus der Arktis auszuschließen. Leider gibt beim Erdgas nämlich noch nicht wie beim Ökostrom sogenannte Herkunftsnachweise, mit deren Hilfe sich zurückverfolgen lässt, aus welcher Quelle das Erdgas stammt. Das wäre gerade aus Verbrauchersicht ein großer Schritt nach vorne – die könnten dann nämlich ganz gezielt Anbieter auswählen, die auf bestimmte Erdgasquellen verzichten.

4.) Bei meiner eigenen Recherche zum Thema Erdgas stieß ich immer wieder auf den Ausdruck „Brückentechnologie“. Warum Brückentechnologie und was ist damit gemeint?

Gas ist eine wichtige Brückentechnologie, weil es uns für den Übergang zu einer Energieversorgung aus 100 % erneuerbaren Energien wichtige Hilfe leisten kann. Gaskraftwerke stoßen nicht nur deutlich weniger CO2 aus als Kohlekraftwerke, sondern sind auch wesentlich flexibler, können sich also schneller an die wetterabhängige und damit schwankende Stromproduktion aus erneuerbaren Energien anpassen. Auf dem Weg in eine saubere Energiezukunft sind Gaskraftwerke also der bessere Begleiter als Kohle- oder Atomkraftwerke und werden deshalb als Brückentechnologie bezeichnet.

5.) Wenn man nicht zu einem echten Öko-Strom und Öko-Gasanbieter wechselt, die nachweisen können wo das Gas herkommt, hat man als Verbraucher die Möglichkeit herauszufinden, ob das angebotene Erdgas mit Fracking produziert wurde? Eine Gesetzeslage scheint es diesbezüglich nicht zu geben, oder?

Nein. Anders als für Strom gibt es im Gasmarkt bisher noch keine Herkunftsnachweise. Verbraucherinnen und Verbraucher sind hierbei also auf die Angaben ihres Energieversorgers angewiesen.

6.) Wir müssen ja zwischen Mietern und Eigenheimbesitzern unterscheiden. Macht es nicht mehr Sinn, dass Eigenheimbesitzer auf andere Energiequellen setzen, als auf Gas? Die wesentlich umweltfreundlicher sind? Wie z.B. Erdwärme oder Wärmepumpe? Beide funktionieren zwar mit Strom - tun Gasheizungen aber auch. Aber der liebe Gott berechnet kein Geld für Erdwärme oder Luft und bisher macht das auch kein Mensch.  Die Gewinnung von Erdwärme ist geologisch bedingt und nicht immer machbar. Aber eine Wärmepumpe kann jeder. Warum machen das so wenige?

Es stimmt, gerade für Eigenheimbesitzer bieten sich Alternativen zur Gasheizung wie die Wärmepumpe an. Vielleicht sind es die Anfangsinvestitionen, die viele davon abschrecken, auf diese Technologie zu setzen, die langfristig aber natürlich Sinn macht. Hier in unserem Bürogebäude in Hamburg setzen wir beim Heizen übrigens auch auf Geothermie. Der Strom, der die Wärmepumpen antreibt, stammt vom Dach des Gebäudes, hier stehen nämlich drei Windräder und eine Photovoltaikanlage.

Vielen Dank an Greenpeace Energy für die ausführlichen Antworten und Informationen.

Weiterführende Links

Greenpeace Energy

Ökostrom von Greenpeace Energy

Windgas von Greenpeace Energy

Studien & Publikationen von Greenpeace Energy

Quellennachweis: Foto: (Enver Hirsch / Greenpeace Energy eG)

 



 

So funktioniert Windgas

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