3. Hintergründe zu einigen wichtigen Inhaltsstoffen

Hier finden Sie eine Übersicht der wichtigsten Inhaltsstoffe, die in der Liste "Deklarationen von Palmöl" aufgeführt sind.

A. Glycerol (dt. Glycerin) – Siehe Liste Nr. 37

Glycerin ist ein dreiwertiger Alkohol, der in allen natürlichen Fetten und Ölen vorhanden ist. Es ist die unveresterte Form der Fettsäuren. Künstlich hergestellt wird Glycerin durch Verseifen (Hydrolyse der Fettsäure-Ester) von tierischem oder pflanzlichem Öl. Glycerin ist für die Lebensmittel-, Reinigungsmittel- und Kosmetikindustrie ein wahrer Tausendsassa: Es ist hygroskopisch, das heißt, es hält Feuchtigkeit fest (Feuchthaltemittel z. B. in Backwaren). Es ist gelförmig, das heißt, es schafft eine angenehme Konsistenz (z. B. in Shampoos). Es ist ein guter Emulgator, da es in Wasser nur einen fast unmerklichen feinen Film bildet. In Kosmetika und Körperpflegeprodukten eingesetzt, macht es die Haut weich, geschmeidig und elastisch. Es legt sich auf sie wie ein Schutzfilm gegen Austrocknung und Irritationen.

Obwohl Glycerin ein solch vorteilhaftes Massenprodukt ist, gibt es in Verbindung mit Palmöl ein gravierendes Problem, und zwar durch die Wegbereitung des Biodiesels durch die selbst ernannten „Grünen Visionäre“ der 1990er Jahre. Biodiesel ist nämlich ein Fettsäuremethylester, der durch Umesterung von Fettsäuren durch Methanol entsteht – also durch den Ersatz von Glycerin in der Fettsäure durch Methanol. Mit jeder Tonne Biodiesel entstehen so zwangsläufig 100 Kilogramm Glycerin.

Seit etwa 20 Jahren boomt Biodiesel, und seitdem ist Glycerin im Überfluss vorhanden. Dies hat zu einer starken Preissenkung von Glycerin geführt. Bisher wird nur ein Teil des anfallenden Glycerins nachgefragt und verkauft, der Rest muss als Industrieabwasser entsorgt oder verbrannt werden. Das ist für die Biodieselhersteller teuer. Diese haben also ein großes Interesse an einem steigenden Absatz von Glycerin, was zu Dumpingpreisen führt. Seit jedes Jahr immer mehr billiges Palmöl (statt vorher vor allem Rapsöl) zu Biodiesel verarbeitet wird, verstärkt sich die beschriebene Abwärtsspirale des Glycerinpreises. Die Folge: Die gesamte Lebensmittel- und Kosmetikbranche bedient sich des preiswerten, konventionellen Glycerins aus der Herstellung von Biodiesel aus Palmöl – nicht zuletzt auch die meisten Naturkosmetikhersteller. 

Der Protest von VerbraucherInnen gegen diese Praxis ist bisher ausgeblieben. Das hilft nicht zuletzt dem Absatz von „Lifestyle-Produkten“ wie Naturkosmetika; denn Glycerin hat in diesen Produkten einen sehr hohen Anteil. Der billige Basisrohstoff gibt den Firmen die Möglichkeit, die bereits verhältnismäßig große Gewinnmarge ihrer Produkte weiter zu erhöhen (siehe auch Arbeitsblatt 1- Leben statt Lifestyle von Robin Wood: Kontrollierte Naturkosmetik).

B. Palmitic Acid (dt. Palmitinsäure), Palmitate – Siehe Liste Nr. 87 + 88

Palmitinsäure ist eine gesättigte Fettsäure und in vielen Lebewesen ein Haupt-Zwischenprodukt des Stoffwechsels, aus dem alle anderen Fettsäuren für den Aufbau von Fettreserven in Form von Glyceriden hergestellt werden. Sie ist an die alkoholische Form von Vitamin A (=Retinol) gebunden und stabilisiert das Vitamin A in Milch. 

Die oft getroffene Aussage, Palmitinsäure (und Palmitate) seien mit Sicherheit aus Palmöl, ist falsch. Palmitinsäure wird lediglich so bezeichnet, weil sie bei ihrer Entdeckung 1840 durch Edmond Frémy aus der Ölpalm-Frucht isoliert wurde. Viele andere pflanzliche und tierische Fette enthalten auch Palmitinsäure (z. B. Butterfett enthält 29 % Palmitinsäure). Da allerdings Palmöl von allen Pflanzenölen den größten Prozentsatz an Palmitinsäure enthält (ca. 44  %; zum Vergleich: Kakaobutter 23  % bis 30  %), wird diese heutzutage meistens aus Palmöl gewonnen.

Palmitate (singular: engl. palmitate/ dt. Palmitat) sind die Salze und Ester der Palmitinsäure. Für die Anwendung in Kosmetika ist der Isopropylester der Palmitinsäure (Isopropyl Palmitate) ein Allroundtalent: Er wirkt als Lösungsmittel und ist antistatisch, bindend, macht die Haut geschmeidig und glatt, verringert oder hemmt den Grundgeruch oder -geschmack eines Produkts und dient der Parfümierung der Haut. Gekoppelt an Retinol wird Palmitat gegen vorzeitige Alterung und Austrocknung der Haut eingesetzt, da es die Zellteilung reguliert. Ein hoher Anteil an Isopropyl Palmitate in Hautpflegeprodukten kann allerdings verschlossene Poren und damit Akne und Mitesser verursachen. Eine alkoholische Kalium Palmitat-Lösung ergibt Schmierseife.

Ascorbyl Palmitate (dt. Ascorbyl Palmitat): Diese an Palmitat gebundene Form des Vitamin C ist im Gegensatz zum ungebundenen Vitamin C (Ascorbinsäure) fettlöslich und kann somit die Zellmembran passieren, um in der Zelle antioxidativ zu wirken. Gesundheitsexperten schlagen eine kombinierte Einnahme von Vitamin C und Ascorbyl Palmitate vor, um einen optimalen Gesundheitseffekt zu erzielen. Es agiert synergetisch mit anderen Antioxidanzien wie z. B. Vitamin E. Ascorbyl Palmitate wird in Kosmetika, Medikamenten und Lebensmitteln als Konservierungsmittel verwendet. In Kombination mit den Aminosäuren Lysin und Prolin kann es der Arterienverkalkung entgegenwirken oder diese sogar rückgängig machen. Ascorbyl Palmitate kann auch gegen Krebszellen eingesetzt werden: Durch die Produktion von Kollagen im Zwischenzellgewebe werden die Krebszellen „eingemauert“.

C. Sodium Laureth Sulfate (dt. Natrium-Laureth-Sulfat) – Siehe Liste Nr. 108

Sodium Laureth Sulfate wird durch die Ethoxylierung des potenziellen Palmöl-Derivats Dodecanol hergestellt. Es ist ein starkes anionisches Tensid. Durch seine schäumende Eigenschaft wird es in vielen Körperpflegeprodukten und Zahnpasten verwendet, aber auch zur Herstellung von Schaumbeton. Es gilt allerdings als hautreizend und austrocknend, da es mit den Proteinbausteinen der Hautzellen reagiert. Bei der Herstellung mit Hilfe von Schwefeltrioxid entsteht gesundheitsschädliches Dioxan. Außerdem kann es in Shampoos und Reinigungsmitteln durch die Reaktion mit anderen Inhaltsstoffen zur Bildung von krebserregenden Nitraten und Dioxinen beitragen. Deshalb ist es für Naturkosmetika nicht zugelassen. Es ist aber das am häufigsten eingesetzte Tensid in konventionellen Körperpflegeprodukten, weil es sehr billig herzustellen ist.

Alternative Begriffe oder enge Verwandte sind z. B. Sodium Lauryl Sulfate, Ammonium Lauryl Sulfate, Lauryl Ether Sulfate oder Dodecyl Ether Sulfate.

D. Stearic Acid (dt. Stearinsäure), Stearate – Siehe Liste Nr. 126

Stearinsäure wird durch Verseifung aus pflanzlichen und tierischen Ölen und Fetten gewonnen. In den meisten tierischen Fetten ist mehr Stearinsäure enthalten als in den meisten pflanzlichen Fetten. Pflanzliche Öle und Fette enthalten mit Ausnahme der Kakaobutter (ca. 34 % Stearinsäure) weniger als  7 % Stearinsäure.

Stearinsäure wird in der Automobil-, Lebensmittel- und Arzneimittelindustrie als Zusatzstoff verwendet. Stearinsäure ist Ausgangsstoff zur Herstellung verschiedener Waschmittel. Auch Rasierschaum enthält oft Stearinsäure. 

Als Stearate werden die Salze und Ester der Stearinsäure bezeichnet. Natriumstearat wird als Reinigungsmittel verwendet. Stearinsäure wird häufig fälschlich als Stearin bezeichnet. 

E. Stearin – Siehe Liste Nr. 125

Stearin ist ein Gemisch der Fettsäuren Stearinsäure und Palmitinsäure, das durch Verseifung der Fettsäuren und Ansäuern der Seifenlauge gewonnen wird. Es wird unter anderem benutzt, um Kerzen und Seifen herzustellen. Stearin wird auch als Zusatz von industriell angewendeten Schmierstoffen eingesetzt, um deren Trennfähigkeit zu erhöhen. 

Stearinkerzen sind fester als Paraffinkerzen und rußen weniger. Stearinkerzen haben im Vergleich zu Paraffinkerzen durch den höheren Schmelzpunkt den Vorteil einer höheren Formstabilität unter Wärmeeinwirkung. 

Der Anteil der Stearinkerzen gegenüber anderen Ausgangsstoffen wie z. B. Paraffin liegt bei etwa 7 %. Bei steigenden Rohölpreisen kann sich der Anteil zu Gunsten der von diesen unabhängigen Stearinkerzen verschieben. Viele Kerzen bestehen aus einem Gemisch von Paraffin und Stearin.

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